Patientenverfügung ja oder nein?

Ich twitterte ja neulich was davon, dass es heute nachmittag eine Fernsehsendung gäbe „So gesehen“ – die sich um Patientenverfügung dreht: Hier geht es zum entsprechenden Video. Zudem fand ich neulich die Seite der Akademie für Ethik in der Medizin e. V. zum Thema „Patientenautonomie am Lebensende„.

Ich finde es interessant, dass in der Sendung lediglich vertreten wird, dass es viel angesagter sei, die Menschen zu begleiten als eine Patientenverfügung zu unterzeichnen. KLAR ist es AUCH wichtig, Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten. Und doch finde ich es kein „entweder oder“. Uns als „Familienrat“ hätte es geholfen, wenn meine Mutter schriftlich festgehalten hätte, was ihr recht wäre in der Situation, in der sie sich befand. So mussten wir ALLES selbst entscheiden, weil meine Mutter aufgrund der starken Schmerzmedikation, die sie bekam, keine Entscheidungen mehr treffen konnte. :(

Sie hat sehr gelitten (schrieb ich schon mal was zu) und wir HATTEN eine Palliativärztin an unserer Seite, die zum Glück NICHT darauf bestand, alles zu tun, um das „Leiden zu verlängern“. Und doch weiß ich von PatientInnen, die diesbezüglich deutlich weniger „Glück“ hatten. Und wenn wir an so jemanden geraten wären, dann wäre eine Patientenverfügung ganz SICHER hilfreich gewesen, um im Sinne unserer Mutter zu entscheiden. Wer redet schon gern vor der wirklichen „Ernstsituation“ darüber, wie sie/er STERBEN will?

Ich bin eindeutig DAFÜR, zu „normalen“ Lebzeiten (und im Vollbesitz der (auch geistigen!) Gesundheit schriftlich zu dokumentieren, was ich wollen würde, wenn …

2 Antworten zu „Patientenverfügung ja oder nein?“

  1. drgeldgier Sagt:

    Hallo,
    ich kann Ihre Aussagen nur bestätigen und unterstützen und zwar sowohl aus Sicht der Betroffenen (Patienten und Angehörigen), als auch aus Sicht des Arztes.

    An meinem 25. Geburtstag vor fast 20 Jahren starb meine Mutter, nachdem sie fast 5 Monate im Wachkoma gelegen hatte. Sie würde vielleicht heute noch in diesem grausamen Zustand zwischen Leben und Tod verweilen, wenn sich mein Vater (nach langen Beratungen von Ärzten, aber Moraltheologen) damals nicht – auch in Absprache mit uns Kindern – dafür entschieden hätte sowohl die künstliche Nahrungs- als auch Flüssigkeitszufuhr einzustellen.
    Leider hatte meine Mutter (damals gut 50) keine Patientenverfügung hinterlassen, so dass die Entscheidung für meinen Vater grausam war.
    Heute bin ich seit 15 Jahren Arzt. Ich habe unter anderem jahrelang in einem neurolog. Krankenhaus gearbeitet, auf der fast ganze Stationen mit Schwerstkranken besetzt waren. Leider war das Thema der Therapieminimierung dort absolutes Tabu und an Einstellen der Ernährung war überhaupt nicht zu denken. Es war grausam – gerade bei meiner persönlichen Erfahrung mit diesem Thema.

    Deshalb kann ich nur jedem empfehlen. Macht Euch Gedanken darüber, was ihr haben wollt und was bestimmt nicht und bestimmt möglichst auch eine Person Eures Vertrauens, die notfalls für Euch mitentscheiden darf.

    http://drgeldgier.wordpress.com/

  2. Ingwerkatze Sagt:

    Sehr beeindruckt hat mich zu diesem Thema eine Reihe von Publikationen des renommierten Facharztes A. Zieger, z.B. diese hier zu Patientenverfügungen. Überhaupt gibt es auf der Seite eine sehr lesenswerte Sammlung von Texten zur Palliativmedizin, auch zu Sterbehilfe.


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