Als ich heute in der Physiotherapiepraxis eine Zeitschrift sah, wo auch die Auswirkungen von Demenz ähnlich gut wie in Wikipedia erklärt wurden, fiel mir “schlagartig” wieder ein, dass wir uns in den letzten Wochen mit unserer Mutter damit zu befassen hatten, dass sie immer weniger wusste, wo sie war. Uns zum Teil auch nicht mehr oder nicht durchgängig erkannt hat. Sie wurde “immer weniger” – sowohl physisch als auch psychisch
. Wir wussten immer wieder nicht, was sie überhaput noch mitbekommt. Selbst wenn sie die Augen offen hatte, war das noch längst kein Zeichen für “echte” Ansprechbarkeit.
Ja – sie hat angesichts ihres Zustandes von Unheilbarkeit starke Medikamente bekommen (vor allem künstliches Morphium) und das wirkte sich “natürlich” auch aus auf ihren Geisteszustand. Wir standen öfter vor der “Wahl zwischen Pest und Cholera” – wollten wir zulassen, dass sie Schmerz signalisiert oder doch “lieber” die “bekannten” Folgen von Schmerzlinderung hinnehmen?
Wir haben uns immer wieder gewünscht, wir könnten auf solche Entscheidungen verzichten. Und doch waren sie not-wendig – im wahrsten Wort-Sinn. Es gab so wenig, was wir “tun” konnten. Auch wenn es SICHER gut war, da und dabei zu sein. Sie zu begleiten auf diesem ihrem letzten Weg. Während der Totenwache hat sich ihr Gesichtsausdruck zu einem uns erfreulich erscheinenden Lächeln verändert. Und in den letzten wenigen Minuten war sie eindeutig “da” – auch wenn sie nur noch die Augenlider bewgen konnte gemäß dem, was wir in den Tagen vorher mit ihr “geübt” haben – 2x kurz hintereinander die Augen schließen = “Nein”, dreimal = “Ja” – oder war es doch umgekehrt? Es erstaunt mich, was so alles “wieder kommt” während des Schreibens …