All die ungesagten Worte – Buchgedanken

Es gibt etwas Neues von Marc Levy: All die ungesagten Worte. OK – es ist nicht GANZ neu – aber als Taschenbuch trägt es das Erscheinungsdatum Januar 2011 ;) . Wie so oft, habe ich auch dieses Buch ratzfatz ausgelesen. Hier, aber auch hier findet sich die Inhaltsangabe samt Kritik des  entsprechenden Hörbuchs, was so klingt, als wäre es durchaus auch zu empfehlen. Ich finde es durchaus ebenfalls empfehlenswert.

Mich hat es dazu gebracht, mal wieder einen aktuellen Artikel auf meinem Blog zu verfassen. Ja – mag sein, dass die zugrunde liegende Geschichte arg seicht scheint – die Idee als solche finde ich aber schon auch zum Nach-Denken. Was würde ich, was hätte ich angefangen mit geschenkter Zeit, in der meine Mutter wirklich “ansprechbar” gewesen wäre? Welche Worte hätte ich gesagt? Welche hätte ich hören wollen? Welche Fragen blieben offen?

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Rotz und Wasser

Neulich war ich zu einer Beerdigung “eingeladen”. Genauer: ich bekam eine Todesanzeige zugeschickt anläßlich des Todes einer Frau, der ich schon ein paar Mal begegnet war in meinem Leben. Sie war mir sympathisch und ich wusste auch vor dieser Post schon, dass sie an Krebs erkrankt war. Was ich mir zutraute, war in den angekündigten Gottesdienst zu ihrer Verabschiedung zu gehen. Was ich nach wie vor schwer finde, ist der Gang auf den Friedhof zu einer “aktuellen” Beerdigung. Da es bei der Beerdigung meiner Mutter auch so war, dass der Personenkreis auf dem Friedhof ein anderer war als der vorher in der Kirche, beschloss ich, es so zu machen.

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Wurde ihr das Sterben zuteil oder starb sie? | Abschiedsvorstellung.de

Ich las neulich, dass Elisabeth Noelle-Neumann 93-jährig gestorben sei. Das erinnert mich daran, dass ich seinerzeit viel Mühe hatte mit den Formulierungen rund um das Gestorben sein meiner Mutter. Es hat eine Weile gedauert, bis ich formulieren konnte, dass sie tot ist.  Es schien so viel “endgültiger” (end-gültiger?) als zu sagen, dass sie gestorben sei. Sterben erlebte ich als zeitlich begrenzten Prozess und so auch das “Gestorben sein”.

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Lesen hilft – mir jedenfalls

Als ich dieses Blog begann, war mir schon noch SEHR unklar, was hier passieren würde. Ich hoffte (und tue das auch immer noch) auf Beiträge/Kommentare von anderen – und einiges davon ist ja auch inzwischen passiert :) . Inzwischen mag ich es in seiner Vielfältigkeit als Ausdruck dessen, was mich in Zusammenhang mit der Trauer um meine Mutter beschäftigt.

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Was wenn der Tod nicht scheidet?

Meine Mutter wurde getraut ohne jenen “magischen” Worte “bis dass der Tod Euch scheidet“.

Bis dahin dachte ich immer, dass das deswegen weggelassen wird, weil es a) entweder pietätlos erscheint, angesichts eines offen-sichtlich nahenden Todes oder b) weil es sein könnte, dass doch eher “weltliche Umstände” die Ehe scheiden könnten noch zu Lebzeiten.

Nach dem Tod meiner Mutter fand ich einen neuen Zugang zu diesem “Weglassen”. In MEINER Wahrnehmung besteht durch das Weglassen dieser “magischen Worte” die Ehe über den Tod hinaus.

Der Mann meiner Mutter mag das (inzwischen) anders sehen. Die meisten anderen Menschen mögen das möglicherweise anders sehen. Manche mögen es genau so sehen – und darin vieleicht etwas ent-decken von der Möglichkeit, die unausgesprochene Worte manchmal mit sich bringen. Mich hat es überrascht und zum Staunen gebracht, was Wörter (angeblich) zu tun vermögen.

Was wenn der Tod uns scheidet?

Ich bekam gestern die “Empfehlung” (ok – die Idee, dass ich mir diesen Abend anders gestalten könnte als geplant), dass es bei Arte einen Film gibt, in dem Monica Bleibtreu noch einmal zu sehen ist. Diese GROSSARTIGE Schauspielerin, die ich zuletzt in “Marias letzte Reise” sah und davor in “Vier Minuten“, und die vor zwei Wochen ihrem Krebsleiden erlag.

In “Marias letzte Reise” spielt sie eine 71-jährige, die keine Chemotherapie mehr “möchte”. Statt dessen stirbt sie zu Hause. Ein Film, von dem ich durchaus froh war, dass er an einem Sonntagnachmittag lief – solche Tageszeiten vertrage ich besser bei Filmen, die mich sehr wahrscheinlich mit dem Thema dieses Blogs in Erinnerung bringen. Weil aber die Wiederholung des gestern abend laufenden Films wohl an einem Donnerstag (11.06. um 14:45 Uhr) läuft, habe ich entschieden, mir den im Titel genannten Film dann doch gestern anzuschauen. Es hat sich gelohnt. Und es war schwer.

Sie fehlt mir.

Meine Mutter hatte in ihrem LEBEN einen ganz besonderen Wunsch – wie ich inzwischen meine verstanden zu haben, hat sie sich erst nach Erfüllung dieses Wunsches zu ihrem Herrgott getraut. Ich schlage mich heute – nach nunmehr fast zwei Jahren (!) mit so seltsamen Gedanken herum wie dem, dass wir (alle?) ihr diesen letzten Wunsch nicht hätten erfüllen sollen – dann wäre sie noch am LEBEN.

Was “bei Lichte betrachtet” weder sonderlich wünschenswert wäre, weil sie furchtbar gelitten hat in den letzten Wochen ihres Lebens noch wäre es sonderlich wahrscheinlich gewesen, dass ein einziger unerfüllt gebliebener (Herzens-)Wunsch dazu führen hätte können, dass sie wieder gesund wird respektive soooo lange weiter “leben” würde, BIS ihr dieser Wunsch endlich erfüllt wird.

Dieser Wunsch bzw. seine Erfüllung führte dazu, dass es rapide abwärts ging mit ihr und sie KONNTE dann endlich den Weg zum Himmel antreten. Was unabhängig davon ist, ob sie mir fehlt oder ob ich mir was anderes gewünscht hätte oder wünschen würde.

Sie fehlt mir. Bei allem, was ich mir anders gewünscht hätte mit und von ihr – sie fehlt mir.

Und auch das darf sein.

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