Patientenverfügung ja oder nein?

Ich twitterte ja neulich was davon, dass es heute nachmittag eine Fernsehsendung gäbe “So gesehen” – die sich um Patientenverfügung dreht: Hier geht es zum entsprechenden Video. Zudem fand ich neulich die Seite der Akademie für Ethik in der Medizin e. V. zum Thema “Patientenautonomie am Lebensende“.

Ich finde es interessant, dass in der Sendung lediglich vertreten wird, dass es viel angesagter sei, die Menschen zu begleiten als eine Patientenverfügung zu unterzeichnen. KLAR ist es AUCH wichtig, Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten. Und doch finde ich es kein “entweder oder”. Uns als “Familienrat” hätte es geholfen, wenn meine Mutter schriftlich festgehalten hätte, was ihr recht wäre in der Situation, in der sie sich befand. So mussten wir ALLES selbst entscheiden, weil meine Mutter aufgrund der starken Schmerzmedikation, die sie bekam, keine Entscheidungen mehr treffen konnte. :(

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Versagt die Politik vor dem Sterben?

Gestern las ich einen Artikel in der F.A.Z., der sich um die schwierige aktuelle Rechtslage bezogen auf die Wirksamkeit von Patientenverfügungen dreht. Interessant daran waren für mich u.a. die Kommentare, dessen Neuester – ohne mit der Wimper zu zucken oder dies durch einen Smiley bzw. eine Anmerkung in eckigen oder geschweiften Klammern zu kennzeichnen – ähnlich handelt wie José Samarango in seinem Roman “Eine Zeit ohne Tod” (der sich auch auf der Literaturliste dieses Blogs befindet). Wer ist zuständig dafür, uns (?) vor dem Tod zu bewahren – die Politik? Gott? der Staat? Oder noch wer anders? Oder niemand, weil der Tod zum Leben dazu gehört?

Ja – es wäre SICHER hilfreich – ganz besonders für die (Über-)Lebenden, wenn es in Deutschland eine eindeutigere Rechtslage gäbe. Und doch – werden sich die Bundestagsangehörigen wirklich dazu durchringen, am kommenden Donnerstag eine klare Entscheidung FÜR mehr Klarheit ausgerechnet in diesem “Fachgebiet” zu treffen? Für mich klingt dieser Artikel eher demotivierend. Da hilft dann wohl nur (?) – Beten – vorher und nachher. Und immer wieder auch – das Thema “Patientenverfügung” (und Sterben) ins Bewusstsein holen – bevor es “dran” ist. Denn wenn es “dran” ist, hilft es nur, wenn überhaupt eine Patientenverfügung da ist. Wenn sie ganz fehlt – dann ist das ganz sicher keine Lösung für die Angehörigen in den letzten Tagen, Wochen, Monaten.

Immer Wieder: Traurig

Wie es aussieht, bin ich inzwischen in der “Schleife” angekommen – vor zwei Jahren um diese Jahreszeit war meine Mutter schon nicht mehr auf der Palliativstation. Sie wollte unbedingt wieder heim. Ich kann das – auch im Nachhinein – gut verstehen. Dass wir uns dann via “Familienrat” dennoch für ihren allerletzten Lebensabschnitt für ein Hospiz entschieden haben, lag an unterschiedlichen Gründen. Auch um diese Entscheidung bin ich im Nachhinein SEHR dankbar. Einfacher hätten wir es gefunden, wenn es eine Patient(inn)enverfügung gegeben hätte. Gab es aber leider nicht. Ebenso wenig wie ein Testament.

Totenwache vs. Organspende

“Ich war ebenso wenig beim Zeitpunkt des “eigentlichen” Sterbens dabei wie meine Schwester. Meine Mutter hat es “vorgezogen” – entgegen meiner Bitte an sie – ohne uns mit dem Leben aufzuhören. Im Nachhinein konnte ich das besser annehmen als zum Zeitpunkt des Geschehens. Ich bin überzeugt davon, dass Sterbende in den allermeisten Fällen (außer bei sowas wie Unfällen) mindestens mitbestimmen, wann und in wessen “Gesellschaft” (oder auch ohne jegliche Gesellschaft) sie sterben “wollen”. Hart war es erst mal trotzdem.

Eines der größten Geschenke war dann im Verlauf des Prozesses zwischen Tod und Beerdigung, mit meiner Schwester Totenwache bei meiner/unserer Mutter zu halten. Das war eine der verabschiedenden Möglichkeiten, die viel leichter in einem Hospiz zu realisieren sind, als wenn jemand zuhause stirbt. Immerhin.

VIEL später hörte ich, dass diese Entscheidung dazu geführt hat, dass keine Organspende mehr möglich gewesen ist. Es war unklar, ob sie das gewollt hätte – es gab nicht mal ein Testament, geschweige denn eine Patientenverfügung.

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