Als mir eine Freundin schrieb, dass die Info sicher ein Schock für mich war, stellte ich fest, dass sie recht hat. “unfreiwillig ums Leben gekommen” verharmlost das Geschehene irgendwie. Und doch ist natürlich auch das erlaubt – so wie meine Überlegungen, wie lange es dauerte, bis ich von meiner Mutter nicht mehr als “gestorben” redete, sondern als “tot“.
Einem Gewaltverbrechen zum Opfer fallen ist wohl ähnlich (und doch auch anders) wie im Krieg sterben oder sonst-wie gewaltsam zu Tode kommen. Ermordet werden. Getötet werden. Das ist nicht “nur” sterben oder gestorben sein. Das ist furchtbarer. Irgendwie.
Natürlich entscheiden die wenigsten Menschen, wann sie sterben. Wie sie sterben. Die Entscheidung, DASS wir sterben – die brauchen wir ohnehin nicht zu fällen. Da kommt niemand drumherum. Dennoch scheint es einen Unterschied zu machen, ob eine Krankheit oder ein anderer Mensch die “Verantwortung” für dem Umstand als Solchen bekommt. Zumindest für die, die sich mit den “Folgen” davon auseinanderzusetzen haben.
Gestern redete ich mit einer Freundin. Deren Mutter ist ebenfalls vor einer Weile gestorben. Wir redeten unter anderem darüber, ob sie ihrer Tochter davon erzählen würde, wenn sie selbst schwerkrank wäre (und davon wüsste). Sie war sich unsicher, vermutete aber, dass sie es irgendwann doch täte. Ich kommentierte dazu, dass ich immer noch dankbar bin, meine Mutter in den letzten Wochen begleitet zu haben. Es war klar, dass sie stirbt. Sie verbrachte die Zeit im Hospiz, weil es daheim nicht mehr möglich war.