Unnützes Gepäck | Abschiedsvorstellung

In meinem schon in einem anderen Beitrag von mir erwähnten Andachtsbuch fand ich heute mal wieder einen mir für das Blog der Abschiedsvorstellung [aber durchaus auch für dieses Blog] passend erscheinenden Beitrag, der so titelt ist wie dieser Artikel. Ich zitiere mal wieder von dort:

»Das letzte Hemd hat keine Taschen«, lautet eine alte Volksweisheit. Doch inzwischen scheint sie nicht mehr umfassend zu gelten. Denn Bestatter berichten, dass Verstorbenen zunehmend Beigaben mit ins Grab gelegt werden. Nun ist so etwas nicht neu. Schon seit Urzeiten und bis ins Mittelalter war es üblich, den Toten etwas mitzugeben. Und dieser Brauch scheint wieder aufzuleben. Vielfach sind es heute Briefe, Fotos und Kinderzeichnungen. Kindern legen Angehörigen teures Elektronikspielzeug mit in den Sarg. Die Journalistin und Moderatorin Elke Heidenreich hat ihren Grimme-Preis ihrer Mutter ins Grab gelegt. Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner hat in seinem Testament verfügt, dass er mit seinem Taufschein beerdigt werden möchte, der ihn berechtige, in den Himmel aufgenommen zu werden. Insbesondere aus den USA wird berichtet, dass zunehmend Handys, iPods, Laptops und sonstige Elektronikgeräte mit in den Sarg gelegt werden.

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Grabstein-Streitigkeiten

Es hat mir offenbar (auch die Schrift-)Sprache verschlagen – der Mann meiner Mutter hat nach diversen Erinnerungen nun doch mal einen Grabstein setzen lassen an dem Ort, wo meine Mutter begraben wurde. Als sie starb, waren wir – er, meine Schwester und ich – uns leidlich einig darüber, wie der Stein aussehen und was darauf stehen sollte.

Nun ist es DEUTLICH anders gekommen als abgesprochen :( – und wir “Kinder” (erwachsene Töchter ohne lebende Mutter) können NICHTS, aber auch GARNICHTS dagegen unternehmen :( . Der Stein steht auf dem von ihm “gemieteten” Platz und damit hat er tatsächlich auch gesetzlich das alleinige Recht, zu bestimmen, wie dieser Platz gestaltet ist und auch wie der Stein auszusehen hat – zumindest so lange er sich an die Vorgaben der Friedhofsverwaltung hält – was er getan hat.

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Entscheidungen | Abschiedsvorstellung.de

Mich beschäftigt angesichts der unterschiedlichsten Möglichkeiten zunehmend die Frage, wer wonach entscheidet , wie sie/er beerdigt sein (oder/und betrauert werden) möchte.

Es gibt sicher Argumente für eine Beteiligung am Friedwald. Oder für eine Beteiligung an so genannten “Ruhegemeinschaften“. Es gibt wohl auch solche für Erdbestattungen oder/und Feuerbestattungen. Für anonyme Bestattungen ebenso wie für Seebestattungen.

Die, die dann tot sind, können das oft vorher (mit-)entscheiden. Nur – wonach? Mit Blick auf sich selbst – “Ich will meinen Lieben (k)einen Ort der Trauer hinterlassen” – oder auch “Es soll niemand (teure) Last auf sich nehmen mit Grabpflege” – Oder zeugen solche Fragen bzw. deren Antworten doch eher vom Blick auf die, die “bleiben” (zumindestens meistens/vorerst)?

Und was ist mit denen, die bleiben? Wenn es kein Testament gibt – was dann? Wird dann entschieden mit Blick auf das, was die/der gewollt hätte, die/der nun tot ist? Oder schaffen es die Bleibenden, einen Blick zu wagen auf ihre eigenen Wünsche nach einem Ort der Trauer, einem Ort der (Wieder-)Begegnung, des Abschieds? Woher, wenn dies das erste Mal wäre, wo sie mit dem Thema konfrontiert werden?

Dieser Artikel wurde schon einmal sehr ähnlich via Abschiedsvorstellung.de veröffentlicht; hier findet er sich als “Datensicherung” unter dem gleichen Datum hinterlegt.

Das Online-Leben nach dem Tod

Als ich den Artikel das erste Mal las, dachte ich noch – neee – ich doch nicht. MICH geht dieses Thema nichts an – ich führe doch kein Leben im Netz. Und doch – es gibt eine Seite in mir, die fragt sich, was wohl geschähe, wenn ich stürbe. Oder/Und außerstande wäre, mich “ordentlich” dort zu verabschieden, wo ich “online” bekannt bin: in den diversen Foren. Bei den diversen Providern, deren fortdauernder Service keine Zahlung voraussetzt. Oder auch bei den Menschen, die wegen welcher Umstände auch immer nicht in meinem aktuellen Mailadressbuch stehen. Da wäre ein solcher Service wie http://www.slightlymorbid.com/ vielleicht doch einen zweiten Gedanken wert?

Alternativ sollte ich wohl mal eine Ergänzung zu meinem Testament verfassen. Da könnte dann schlicht drin stehen, dass ich mir wünsche, dass die, mit denen ich “nur” in elektronischer Verbindung stehe, ebenfalls von meinem Tod in Kenntnis gesetzt werden. Und an wen ich da grad vor allem denke. Und dazu vielleicht noch das “zentrale” Passwort für meinen Passwortsafe? Wäre wohl mehr als einen GEDANKEN wert.

Ja – natürlich HOFFE ich, dass ich noch länger leben werde. Und das solcherlei “Spekulationen” abgelöst werden können durch einen “echteren” Abschied, wenn er denn “dran” ist. Nur – liegt es WIRKLICH in meiner Macht, das voraus zu sehen?

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Immer Wieder: Traurig

Wie es aussieht, bin ich inzwischen in der “Schleife” angekommen – vor zwei Jahren um diese Jahreszeit war meine Mutter schon nicht mehr auf der Palliativstation. Sie wollte unbedingt wieder heim. Ich kann das – auch im Nachhinein – gut verstehen. Dass wir uns dann via “Familienrat” dennoch für ihren allerletzten Lebensabschnitt für ein Hospiz entschieden haben, lag an unterschiedlichen Gründen. Auch um diese Entscheidung bin ich im Nachhinein SEHR dankbar. Einfacher hätten wir es gefunden, wenn es eine Patient(inn)enverfügung gegeben hätte. Gab es aber leider nicht. Ebenso wenig wie ein Testament.

Totenwache vs. Organspende

“Ich war ebenso wenig beim Zeitpunkt des “eigentlichen” Sterbens dabei wie meine Schwester. Meine Mutter hat es “vorgezogen” – entgegen meiner Bitte an sie – ohne uns mit dem Leben aufzuhören. Im Nachhinein konnte ich das besser annehmen als zum Zeitpunkt des Geschehens. Ich bin überzeugt davon, dass Sterbende in den allermeisten Fällen (außer bei sowas wie Unfällen) mindestens mitbestimmen, wann und in wessen “Gesellschaft” (oder auch ohne jegliche Gesellschaft) sie sterben “wollen”. Hart war es erst mal trotzdem.

Eines der größten Geschenke war dann im Verlauf des Prozesses zwischen Tod und Beerdigung, mit meiner Schwester Totenwache bei meiner/unserer Mutter zu halten. Das war eine der verabschiedenden Möglichkeiten, die viel leichter in einem Hospiz zu realisieren sind, als wenn jemand zuhause stirbt. Immerhin.

VIEL später hörte ich, dass diese Entscheidung dazu geführt hat, dass keine Organspende mehr möglich gewesen ist. Es war unklar, ob sie das gewollt hätte – es gab nicht mal ein Testament, geschweige denn eine Patientenverfügung.

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